Worldline / SIX Payment Services: diese Vertrags-Tücken solltest du kennen
Worldline (vormals SIX Payment Services, davor Telekurs/bezahlen.de) gehört zu den großen Acquirern und Netzbetreibern in Deutschland. Der Terminalvertrag ist entsprechend umfangreich – und enthält einige Klauseln, die Händler regelmäßig überraschen: von der langen Bindung über die einseitig änderbare Preisliste bis zur gestapelten Scheme-Fee-Kaskade.
Wer Vertragspartner ist – und warum das zählt
Dein Vertrag läuft mit der SIX Payment Services (Europe) S.A. in Luxemburg (Gerichtsstand Frankfurt). Worldline ist dabei selbst Acquirer für Visa/Mastercard und stellt das Händlerportal myPortal. Der ausländische Vertragspartner ist kein K.-o.-Kriterium, macht die Durchsetzung von Ansprüchen im Streitfall aber aufwendiger als bei einem rein deutschen Anbieter.
Lange Laufzeit, 12-Monats-Verlängerung, 6-Monats-Frist per Einschreiben
Die Mindestlaufzeit steht im jeweiligen Vertragsmodul und liegt branchenüblich bei 48 bis 72 Monaten. Wird nicht rechtzeitig gekündigt, verlängert sich der Vertrag automatisch um jeweils 12 Monate (Ziff. 18.2). Die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate und die Kündigung muss per Einschreiben erfolgen (Ziff. 18.3) – eine E-Mail genügt hier nicht. Wer die Frist verpasst, hängt ein weiteres Jahr fest.
Preisliste jederzeit änderbar – Schweigen gilt als Zustimmung
Worldline kann die Entgelte laut Vertrag jederzeit anpassen: Eine Mitteilung mit 30 Tagen Vorlauf reicht, und Schweigen gilt als Zustimmung. Das Preis- und Leistungsverzeichnis kann zudem per Online-Publikation aktualisiert werden – faktisch also jederzeit. Prüfe Preismitteilungen deshalb aktiv und widersprich fristgerecht, sonst gilt die Erhöhung als akzeptiert.
Die Scheme-Fee-Kaskade und weitere Aufschläge
- Mindestgebühr 0,20 € je Transaktion – bei kleinen Bons prozentual besonders teuer.
- Aufschläge je Kartenart: Commercial-Karten +1,30 %, Nicht-EWR-Karten +1,20 %, manuelle Erfassung +0,30 %.
- Getrennte Auszahlung je Kartenmarke kann Mehrkosten auslösen; Fremdwährungsspesen gehen zu Lasten des Händlers.
- PCI-DSS-Konformität ist Pflicht und liegt auf Kundenkosten; 3DS/DCC kommen hinzu.
30-€-Chargeback, Bonitätsspeicherung, automatische Auflösung
- Rückbelastung/Chargeback: 30 € je Vorgang; Gutschrift/Storno 0,99 € plus mögliche Mahn-/Inkassospesen.
- Bonität: laufende Prüfung, Speicherung der Daten bis zu 10 Jahre über das Vertragsende hinaus.
- Ohne Transaktionen über zwei Jahre kann der Vertrag automatisch aufgelöst werden (Ziff. 18.5) – relevant bei Saison- oder Reservebetrieb.
- Abtretung: Der Kunde darf nicht abtreten, Worldline darf den Vertrag auf Konzerngesellschaften übertragen.
Worauf du im Vertrag achten musst
- Notiere Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist (6 Monate, Einschreiben) sofort im Kalender – inklusive Verlängerungsstichtag.
- Prüfe jede Preismitteilung und widersprich innerhalb der Frist, wenn du nicht zustimmen willst.
- Lass dir das vollständige Preis- und Leistungsverzeichnis aushändigen, nicht nur den Basissatz.
- Rechne die Scheme-Aufschläge (Commercial, Non-EWR, manuell) und die 0,20-€-Mindestgebühr in deine Kalkulation ein.
- Kläre Auszahlungsmodus und mögliche Rückbehalte, bevor du unterschreibst.
Die transparente Alternative
Wer keine 48- bis 72-Monats-Bindung mit halbjährlicher Einschreiben-Kündigung und jederzeit änderbarer Preisliste möchte, ist mit einem Anbieter mit kürzerer Laufzeit, klar ausgewiesenen Gesamtkosten und deutschem Vertragspartner meist besser bedient. Entscheidend ist der Vergleich der echten Gesamtkosten inklusive aller Pro-Transaktions- und Scheme-Posten – nicht des beworbenen Basissatzes.
Häufige Fragen
- Wie lang ist die Kündigungsfrist bei Worldline?
- In der Regel sechs Monate zum Laufzeitende, und die Kündigung muss per Einschreiben erfolgen. Wird die Frist verpasst, verlängert sich der Vertrag automatisch um 12 Monate.
- Kann Worldline die Preise einfach erhöhen?
- Ja. Laut Vertrag reicht eine Mitteilung mit 30 Tagen Vorlauf, und Schweigen gilt als Zustimmung; das Preis- und Leistungsverzeichnis ist zudem per Online-Publikation änderbar. Preismitteilungen deshalb aktiv prüfen.
- Welche Zusatzkosten fallen bei Worldline an?
- Unter anderem eine Mindestgebühr von 0,20 € je Transaktion, Aufschläge für Commercial-Karten (+1,30 %), Nicht-EWR-Karten (+1,20 %) und manuelle Erfassung (+0,30 %), 30 € je Chargeback sowie PCI-DSS-Kosten.
Stand laut AGB SIX/Worldline und Preis- und Leistungsverzeichnis DE 08/2018; konkrete Konditionen richten sich nach dem individuellen Vertragsmodul. Angaben können sich ändern und sind im Einzelfall anhand des aktuellen Vertrags und PLV zu prüfen. Firmennamen und Marken gehören ihren Inhabern; die Nennung erfolgt ausschließlich zu Informations- und Vergleichszwecken. Alle Preise netto zzgl. 19 % USt.
Im Lexikon erklärt
Zuletzt aktualisiert: 06/2026 · Quellen: Deutsche Bundesbank, girocard.eu, EHI Retail Institute, Deutsche Kreditwirtschaft.
